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Das Amelungenlied. Dr. Karl Simrod.

Erfter Theil:

Mieland der Schmied. Wittich Wielands Sohn. Eden Yusfahrt.

Stuttgart und Sübingen. 3 9. SEotta’fher Verlag. 1843. x

Bucdruderet der 3. ©. Gotia ſchen Buchnandiung in Stuttgart.

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Wieland der Schmied.

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Der einft den Hippogryphen Bon Mufen fatteln lieg, Dem nie die Hörer fchliefen, Wenn in fein Horn er ftiep: Gar wohl ift ihm gelungen Sein wunderfam Gedicht; Dod was er auch gefungen, Den Wieland fing ich nicht.

Schwang er fih auf gleich Aaren Nah edelm Sängerbraud,

Im Sturm die Luft durchfahren, Mein Wieland fonnt es aud: Nicht auf dem Dichterpferde

Hob er ſich fonnenwärts,

Es trug ihn von der Erde

Sein Flügelpaar von Erz.

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Das Amelungenlied. Dr. Karl Simrod.

Erfter Theil:

Sieland der Schmied. Wittich Wielande Sohn, Eden Ausfahrt.

Stuttgart und Sübingen. 3.8 Eotta’fher Verlag. 1843. .

Buchdruderei der 3. ©. Cotta'ſchen Buchhandlung in Stuttgart.

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Wieland der Schmied.

Der einft den Hippogrypben Bon Mufen fatteln lieg, Dem nie die Hörer fhliefen, Wenn in fein Horn er ftieß: Gar wohl ift ihm gelungen Sein wunderſam Gedicht; Doch was er auch gefungen, Den Wieland fing ich nicht.

Schwang er fih auf gleich Aaren Nach edelm Sängerbraud,

Im Sturm die Luft Durchfahren, Mein Wieland konnt es aud: Nicht auf dem Dichterpferde

Hob er fih fonnenwärts,

Es trug ihn von der Erbe

Sein Flügelpaar von Erz.

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Der Wieland, den ich finge,

War nur ein rußger Schmied, Dod daß mir fo gelinge

Zu feinem Preis dieß Tied,

Als Waffen ihm gelangen,

Schild, Harnifh, Helm und Schwert, Biel goldne Ring und Spangen,

Sp ward mir viel gewährt.

Der du die Kunſt zu fliegen Dem Bogel abgelaufcht,

Den gern die Lüfte wiegen, Durch bie fein Fittich raufcht: Gieb, daß mich deine Lehre Im Schweben unterweift, Befrei von irdſcher Schwere, Wieland, des Sängers Geift.

Erfted Abenteuer. Wie fie die Scildjungfrauen fiengen.

Eine hehre Göttin weiß ih, der ift mein Dienft geweiht, Ihr Huldigend und opfernd verbring ich meine Zeit:

Es ift die Freundin Odins, Saga mit goldnem Mund;

Ich horche, wenn er tönet, da wird mandh Wunder mir Fund,

D laß die Lippen fließen, fie find der Weisheit Born, Und gönne mir zu fhöpfen in reiner Dichtung Horn; Richt neid ich goldne Schalen, wie du fie Odin füllt, Wenn ihm der Zeiten Räthſel und der Geſchichten enthüllft.

Du winfeft mir Erhörung, fchon trink ih, habe Dank: Und darf ih nicht verftummen, wenn ich mich felig tranf? Du weiſt, ed macht gefhmwäßig Die wunderbare Flut,

Wie auch die Zunge lalle, ſie ſtockt doch ſelten und ruht.

Doch willſt du ſie nicht hemmen in ihrem raſchen Lauf,

Nicht drückſt du meinen Lippen des Schweigens Siegel auf. Auch dafür laß dir danken: mir ſoll es Wohlthat ſein;

Doch Mancher wird dir zürnen, es ſchafft den Neidingen Pein.

a3 6

=

Wer aber darf es tadeln, wenn mich dein Trank beraufht? Sich felber mag verflagen wer meinen Worten lauft:

Ich kann mich nicht bezwingen, es läßt mir nimmer Ruh, Und ärgert ihn mein Singen, was hört der Thörichte zu?

Es faßen drei Brüder zu Norweg in der Mark,

Don elfifhem Gefchlehte, heldenkuͤhn und ftark.

Sie waren feinem Könige noch Fürften unterthan: Den Eunftreihen Männern getrante Niemand zu nahn.

Wieland hieß der Eine, von dem mein Lied genannt, Der ift in allen Eagen der Völker wohlbefannt,

Selbft in welfhen Zungen rühmt ihn dad SHeldenlied, Sp gut Gefhmeide wirkte der unvergleihlide Schmied.

Der Andre hieß Eigel; der fehlte nie dad Ziel,

Den Vogel aus den Küften zu holen war ihm Spiel;

Den beften aller Schützen hat fchwer die Seit gekraͤnkt,

Ihm feinen Ruhm entwendet und ihn an Fremde verfchentt.

Der Dritte führte weder den Hammer noch den Pfeil, Mit feiner Wunderfalbe ſchuf er wieder heil

Was je entzwei gewefen, krank oder wund:

Helfrih war fein Namen, er machte Todte gefund.

Die drei Brüder giengen einft an ded Meeres Flut, Sih im Bad zu Fühlen, wie man im Eommer thut, Und wie fie wonnig fhwammen das Seegeftad entlang, Da hörten fie ein Rauſchen, das in den Küften erflang:

17 we

Schwere Slügelfhläge, wie wenn ber Aar fich hebt,

Mit breiten Schwingen fahend, daß rings bie Luft erbebt; Doch dießmal fuhr es nieder, fie hörten es genau,

Nicht hundert Schritt von ihnen, dort bei der grünenden An.

Und überm Waßer glänzt’ ed, lichter ald ber Schnee,

Denn auf und nieder fhwebten drei Fräulein in der See. Nah Eigeln fah fie Wieland: der winkt den Brüdern ftumm Als wollt er fagen: Schwimmen wir um dad Eiland herum.

Sie durften nicht reden, denn wohl meilenweit

Zrägt den Schall die Welle, und traun, ein Herzeleid

Wär ed für die Brüder, mifsläng die Mädchenjagd:

Die ſchwammen immer weiter und weiter leuchtender Pracht.

Die Brüder inzwifhen erreichten dad Geftad,

Wo Tene fi entgeidet. Da lag der Krauenftaat,

Drei Schwanenfleider lagen am Strand in einer Schluft: Die hatten fie getragen fo weit daher durch die Luft.

„Sewifd, es find Walküren,“ ſprach da Wieland,

„Die unterm Schilde fehten, Schildjungfraun genannt:

Sie finnen nur zu kämpfen und find der Minne gram;

Doh wären fie noch wilder, wir machen fie, boff ich, zahm.“

„Die Eine ſcheint verwundet: einen Streifen roth wie Blut,“ Sprach Helferich der junge, „ſeh ich in der Zlut:

Auch ift ber Kleider Eined von frifhem Blute roth

Hier unterm Schwanenflügel: die bewahr ich vor dem Tod.”

8 86

„So iſt dir,“ ſprach Eigel, „geborgen ſchon dein Theil, Sie folgt dir um ſo lieber, macht deine Kunſt ſie heil. Doch ſchau, wie fie ſich wenden, ſchon kehren fie zurück: Ihr Gefieder ſteht zu Pfande, ſie werden nie wieder flück.“

„Die Meine bleibt dahinten,“ ſprach da Helferich, „Die arme wird verbluten; wie jammert ſie mich! Ich eil ihr zu Huͤlfe, ihr Sterben waͤr mir leid; Ihr Bruͤder unterdeſſen wahrt mir dieß blutige Kleid.“

Mit einem Heilkraute ſtürzt' er ſich ins Meer,

Gewandter Taucher ſchwamm er unter den beiden her

Und faßte die dritte mit ſtarkem Arm gewandt,

Und trug ſie, die ſich ſträubte und mit ihm rang, an den Strand.

Ohnmäachtig am Ufer, die Juͤngſte lag fie da

Mit goldgelben Locken. Eine Buche war nah:

Als er ſein Kraut verwendet nahm er davon den Baſt, Die Wunde zu verbinden und nun erſt goͤnnt' er ſich Raſt.

Die Schweſtern derweilen ſchwammen nach der Bucht Wo ihre Kleider lagen, doch in beſtuͤrzter Flucht Wandten ſie ſich wieder, als ſie die Bruͤder ſahn. Da rief aber Wieland: „Ihr müßt doch endlich heran:

„Eure Schweſter iſt uns Geiſel, die unſer Bruder pflegt Und ſchon auf ſeinen Armen, die bewuſtloſe, traͤgt:

So wollen Wir euch tragen auf Händen, wenn ihr kehrt, In Lieb und ftäter Treue; ihr feide, wir wißen es, werth.

a3 I wo

„Wir haben auch eure Kleider: ihr entrinnt ung nicht.“

Doc ift in Wind gefprohen wad man zu Spröden fpricht.

Sie fhwammen immer weiter und weiter lichter Pracht:

„So müßen auch wir beginnen,” ſprach Wieland, „die Maͤdchenjagd.

„Run ift an dir die Reihe, Bruder Helferich,

Die Kleider und zu wahren.“ In die See ftüärzten fie fi Und mit gewaltgen Stößen ben edeln Schweitern nad: „Wenn wir ſie nicht erreichten, ed war und ewige Schmach.“

Scham und Verlangen gab ihnen Kraft und Muth

Und Zloßen an die Ferſen. So theilten fie die Flut, Wie der Falk die Lüfte auf Beute fchießend theilt:

Die ſchnellen Schwertern blieben doch von ihnen unereilt.

Sie doppelten die Kräfte und fuhren pfeilgefhwind

Ueber die wilden engen, als wehte fie der Wind.

Run laßen wir fie fhwimmen und fehn nah Helferich, Der mit feinem Schritte von der fhönen Schilbmagd mid.

De drang ihr durch die Glieder des Wundkrauted Kraft, Und rief zum Leben wieder bie Geifter, die erichlafft;

Zwei blaue Augen blidten SHelferichen an:

Da lag fie auf dem Schoße, ad, einem wildfremden Mann.

KBie will fi ihm emtringen, doc Jener hält fie feſt

Mit ſtarken Armes Schlingen an feine Bruft gepreföt: „Du Öffueft deine Wunden, fträubft du dich fo wild;

Ich habe fie verbunden nud dad Blut ift wieder geſtillt.“

.

= 10 =

„Huͤlfe,“ rief fie, „Hülfe!“ Hier bin ih, Helferich;

Dir ift ja ſchon geholfen und der dir half war ich.

Hier kann dih Niemand hören; doch machſt du mirs zu bunt, So fchließ ich dir mit Küffen deinen perlenreihen Mund.“

Je dringender er mahnte, je lauter fie ſchrie;

Sie rang fi übermächtig herab von feinem Knie: Da muft er ihr bewältigen ben wunderfchönen Leib: Da warb die Walfüre des edeln Helferih Weib.

Sn der Zelfengrotte lag fie und fchluchzte tief,

Ein Strom heller Thränen . ihr von der Wange lief:

In ihres Herzend Jammer hub fie zu Flagen an:

„Was hab ich dir, Verräther, was hab ich bir doc gethan,

„Womit dich wohl beleidigt, daß du mich wehrlos fiengft,

Nun gar die Königstochter zu deiner Minne zwingft, Unmwürdger, nur zu fhauen mein klares Angeficht!

Doch Odin wird es rächen und Thor, ber im Donner ſpricht.“

„au Thor will ich nicht Ihwören, noch zu Odins Macht, Doch Freia foll hören was mir dad Herz gedacht,

Und Wara, die die Schwüre der Liebenden vernimmt, Was eh ich dich berührte der Sinn voraus mir beftimmt.

„Schon ald ich dich erjagte, noch eh ich dich erfchaut, Hofft ich in dir zu finden die bersgeliebte Braut; Doch als ich dih in Schöne fo herrlich prangen fab, Der deine Wunden beilte, ben verwundeteft du da.

a 11 eo

„Nun will ichs hoch geloben, Die Götter zeugen mir,

Mie ein Weib zu freien, find ich es nicht in dir:

Du darfft dich mein nicht Ihämen, hohe Königin,

Der auch von KRönigsftamme und in Niemande Gehorfam bin.

„Laß biefen Ring dir bürgen, fein heller Edelſtein

Doch fiehe, Bruder Eigel naht mit der Schwerter bein.

Sie landeten dort oben, wohin der Strom fie trieb;

Was wetteſt du, fie ift ihm auch mehr ale Leib und Leben lieb?

„Run fage, Freund Gigel, wo Bruder Wieland weilt?

Hat er das fchnelle Mägbelein mit Schwimmen nicht ereilt ?“ Er fprab: „Du weift, ich ſchaue wohl fieben Naften weit,

Doc längft mir aus den Augen war er und die folge Maid.”

„Run muß ich um den Bruder in Angft und Sorgen ftehn,“ Sprach Helferich der junge, „es könnt ihm fchlimm ergehn, Daß ihn Ran entführte zu Helad Todtenreid!

Wären diefe fiber, wir eilten ihm zu Hülfe glei.”

„Wir dürfen fie,” ſprach Eigel, „fich felbft nicht anvertramn, Wir hätten fie verloren da glaub ich was zu fchaun, Dort am fernften Rande bed Meeres regt es ſich:

Nun jauchze, Bruder, jauchze, es ift Wieland fiherli

„Mit feiner lichten Beute.” Und als es naͤher kam, Da war es wohl ein Wunder, wie laut man ſie vernahm Den theuern Bruder grüßen mit Jubel und Geſang; Aus vollen Kehlen tönte des Willkomms fröhlicher Klang.

3.14

„Mir ift auch in Treuen mein Magdthum nicht fo leid,

Daß ich es Eigeln gönnte: vor dem wohl bleib ih Maid. —“ „Bas fhweigt unfre Schwefter,” ſprach Jene, „boch fo ſtill? Was ift wohl hier ergangen, daß fie Helferichens Minne will 7”

„An mir ift nichts ergangen, als was an euch ergeht,

Bevor die Sonne morgen erröthenb auferfteht:

Dann ift an mir die Reihe zu fpotten, glaubet mir;

Sie find einmal bie Stärfern, fonft wären wir drei nicht hier.“

„Das wird fih Alles finden,“ ſprach Wieland, „folgt une nur; Bon euerm Webermuthe bleibt morgen nicht bie Spur.

Daß ihr und nicht entflieget verbärgt und eur Gewand,

Das muß, fo ihre nicht Idfet, bei und befteben zu Pfand.“

15 ee

weites Abenteuer.

Wer die Schildjungfrauen waren.

Man laßt und Wielanden folgen in fein Hans;

Der hatt? am felben Abend noch einen harten Strauß: Mit Zürnen grimmig wehrte die Königstochter ſich, Bid doch in feinen Armen die ftolge Kraft ihr entwich.

Als er fie nun bezwungen, wie minniglich fie lag

Bei dem finrlen Reden bis an den lichten Tag!

Wie der Keib der Seele, fo warb der Mann ihr lieb,

Der Schönen, die nun gerne bei dem Fühnen Schmiede blieb.

als fie fein Minnen lohnte und feinen Kuſs vergalt,

Wie werth warb auch dem Helden die leuchtende Geftalt! Er gelobte nie zu laßen die Hand, fo weiß wie Schnee,

Und gedacht er au ein Scheiben, das that ihm imniglich weh.

„Um Eins muß ich dich bitten,” fo ſprach die Königin, „Und folge ftätd dem Rathe, fo lieb ich dir bin: Halte wohl verfhloßen mein federreich Gewand

Und laß ed nimmer wieder gerathen mir in die Hanb.

= 16 =

„Ih wüfte nicht zu zügeln, geſchaͤh es je, die Luft

Den reinen Hauch zu fhlürfen des Himmeld in die Bruft: Wer einmal in den Lüften fo felig fih gewiest,

Der mag ed nie vergeben, wie fhön es droben fich fliegt.

„So lieb du mir geworden im einer kurzen Nacht,

Ich müfte wieder prüfen der lichten Schwingen Macht:

Wer weiß, ob dann mein Auge dich jemald noch erfchaut!

Wir find und, ahn ich fhmerzlih, noch nicht auf ewig getraut.

„Bon meinem Finger ziehe bir diefen Goldring ab,

Den ald ih ward geboren mir eine Norne gab:

Von Liebe wird entzünder. wer jemals ihn erficht,

Er kann nicht von der Stelle, wie gem er anders auch flieht.

„Ich möchte frei erwerben deines Herzens Gunſt,

Sie keinem Stein verdanfen noch zauberifher Kunft;

Und fo mir je erwachte des Fliegend maͤchtger Trieb

Beim Anblid des Gefieders, fo blieb’ ich diefem Ring zu Lieb.

„Denn noch ein andrer Zauber ift feinem Stein vertraut: Durch ihn fügt meinen Sliedern fi die Schwanenhaut,

Bis ic mich ganz verwandle. Und hätt ich auch dad Kleid Und darbte ded Ringes, ich flöge wohl nicht ſpannenweit.“

„Nun fage mir, Geliebte,“ fiel ihr Wieland ein,

„Haben deine Schweltern denn auch folhen Stein?”

Sie ſprach: „Auch ihnen wurde der Schwanenring gefchentt, Doch nur zum Verwandeln, nicht daB man ihrer gedentt.

3 11

„Sieb mir den Ring,” ſprach Wieland, „dir ift fein Zauber Noth, An dir muß ich doch bangen mit Bangen bis zum Tod:

An Liebreiz einzubäßen wär bir vergebne Angſt,

Wie du in böchfter Fülle der Schönheit leuchtet und prangft.

„So ſah ih nie am Himmel glänzen ein Geftirn,

Bon Anmuth firalt die Wange, Hoheit blidt die Stirn,

Im Ange laufcht ein Schüge, Der nach den Herzen zielt, Bon Meiz unwiderftehlih wird Kinn und Mund dir umfpielt.

„Das Haar, dad von dem Scheitel zur Sohle niederrollt, Wie Sonnenftralen gleißend, ift Klar gefponnen Gold; Weißer ald Echnee der Bufen, der Naden, all der Leib: Wie möcht ih von dir laßen, du allerherrlichites Weib!

„Du bift fo Ihön geihaffen, o Wunder, Glied für lied, Der dich bilden konnte, das war ein weifer Schmieb;

So dacht ich einft zu gießen Idunens Götterbild,

Und Gefions, deren Bliden der Unfhulb Zauber entguillt.

„Run aber laß mich wißen, wie feib ihr genannt,

Du und deine Schweftern? das ift mir unbefannt;

Der Bater, ber dich zeugte, die Mutter, die dich trug?

Wie nahme ihr Schilömägde zu diefem Strande den Flug?“

„Ich will dir Alles fagen, fo viel mir felbft bewuft: Und fäugte Gunbilde an reiner Mutterbruft, König Iſangs Tochter von Shetland und von Far;

Sie wollt ung nie vertrauen, wer unfer Erzeuger war. ©imrod, dad Umelungenlied, 1. 2

18 m

„D hätte fie ihn felber doch nie darum gefragt!

Und ward von weifen Leuten die Kunde wohl gefagt:

Der Lichtelfenfönig war es von Alfenheim;

Der zog, als fie ihn fragte, zur blauenden Xichtwelt heim.

„Drei Eilande liegen weftli in der See,

Mir wird, fo michs gemahnet, nah meiner Heimat web: Sie heißen wohl die heimlihen, denn heimlich iſt es da, Auch mag fein Schiff fie finden, Fein Xootfe je fie erfah.

„Dahin hat unfre Mutter der König einft entführt,

Bon minnigliher Schöne und füßer Huld gerührt:

Da wohnten fie in Frieden bie an das vierte Jahr,

Derweil fie ihm drei Töchter, mich und die Schweltern gebar.

„Mich erftgeborne hießen die Eltern Elfenweiß,

Und Schneeweiß die andere, die Cigel pflegt mit Kleiß, Die dritte, Helfrihe Beute, ward Schmanenweiß genannt: Nun ift dir unfer Name wie unfre Herkunft bekannt.

„Am Abend ward der Elfe ein Schwan fo weiß wie Schnee, Und ſchwang fih, o Wonne! zu blauer Lüfte See:

Sp famen auch die Töchter in einem Ei zur Welt,

Und immer war aufd Fliegen ihr kindiſcher Sinn geftellt.

„Doch weil fid dad Gefieder uns fügt und wieder löft, Sp raubt' ed und die Mutter: Furcht war ihr eingeflößt, Wir möchten ihr entfliegen und ehren nimmermehr:

So trippelt wohl die Henne am Waßer ängftlih umber,

19 ge»

„Worin die Entlein fhwimmen, die fie gebrütet bat:

Nie gab die Sorgenvolle dem Wunſch der Töchter Statt. Wohl nene Flügel wuchſen uns jedes fiebte Jahr

Und nme Schwanenfleider: die ranbte fie uns immerbdar.

„Doch ald vom Heimatlande ſchwere Zeitung kam,

Daß fie ihres Vaters mordlichen Tod vernahm,

Den Neiding ſchlug, der König des Niarenlands,

Da vergaß ſie ihres Bangens und entgluͤhte von Rachluſt ganz:

„„Was hab ich,“ rief fie zornig, „mir feinen Sohn gezeugt Und nur an biefen Bräften drei Mädchen anfgefängt!

Doch auf, befchwingte Töchter, nun iſts zu fliegen Seit, Ihr ſolt MWalküren werden und Helden fiefen im Streit;

„Und welchen ihr erkoren, dem fällt das Todeslooß: Rider mir den Vater, die Unthat ift zu groß.

Diefer König Neiding bezwingt mit feinem Schwert Roh alle Königreihe: der Frevel ift rächenswerth.”

„Da gab fie und die Kleider und fandt und in den Krieg; Vohl haben wir erfochten manchen blutgen Sieg:

Dreißig Neden lagen vor unfern Händen todt;

Noch fchien und nicht erfüllet der grimmen Mutter Gebot;

„Doch Schwanweiß ward verwundet von König Neidinge Sper, Dem fie die Beten fällte: da hielten wir nicht mehr.

Run hatten wir vernommen von biefem Meereöftrand,

Dap er die Wunden heile: fo flogen wir euch ind Land.

a3 20 se

„Das Andre weilt bu felber.” So ſprach das Ihöne Weib; Mit holden Küffen koſ'te fie Wielandengd Leib:

„Nun bin ich die deine und will es immer fein;

Gott tröfte fo verlaßen die forgende Mutter mein.“

Auch Eigel, der Schüge, war feiner Schwanenmagd Meifter wohl geworden, bevor das Licht getagt; Helferih der junge war Schwanmweißens froh:

Sn hohen Freuden lebten die unftreichen Brüder fo.

Das währte drei Jahre. Derweil hatt Elfenweiß

Ein Knäblein gewonnen und aufgeläugt mit Fleiß: Wittich von der Aue, fo ward dad Kind genannt

Nach jenem grünen Werder, auf dem er bie Kleider fand.

Auch Schneeweiß inzwifhen trug Eigeln einen Sohn,

Fang geheigen, dem diente Wort und Ton,

Mit Liedern mocht er fürgen den allerlängften Tag; Schwanweiß blieb unfruchtbar, fo viel ich noch erfunden mag

Wieland war in Sorgen, er verlör einmal

Das Herz feiner Seele, fein leuchtend Gemahl.

Laftend auf dem Herzen lag ihm wie ein Stein

Ihr Wort, daß fie nicht ewig fich follten verbunden fein.

Wenn er daran gedachte, das Ihuf ihm Herzeleib.

Zwar hatt er fchlau verborgen ihr blankes Federkleid, Doch bangt’ er, fie erfunde den ihm erkornen Platz:

Sp Hüter wohl ein Geiziger mit Zittern goldigen Schaß,

3 21 Se

Den er wohlverborgen bewahrt am fihern Drt:

Nachts fährt er aus dem Schlafe, wähnend er fei fort;

Er trägt ihn hin und wieber, bis er fich felbit verraͤth, Benn ein Dieb, ein kluger, fein ängftlihes Thun erfpäht.

En mit dem Kluggewande trieb ed Wieland lang;

Dech war ihm um den Goldring das Herz nicht minder bang. Wohl daht er ihrer Nede: und habe fie das Kleid,

Und darbe noch bed Ringes, fie flöge damit nicht weit.

Diefen Ring zu hüten war er darum bedacht:

Er mot ihn nie am Finger tragen in ber Nacht,

Daß er ihm von der Schönen nicht würd im Schlaf entwandt; Nun höret, was der Degen. für feltfame Kift erfand: -

Er machte fiebenhundert Ringe jenem gleich,

Nicht Gleichred war zu ſchauen auf allem Erdenreich:

Da mohte Niemand fondern den Erften aus ber Zahl; Er felber nur erkannt ihn an einem heimlihen Mahl.

Run wähnt’ er fich geborgen, als der Schwanenring Bei fo viel hundert andern an einem Bafte bieng: Doch zählt’ er feine Ringe mit Fleiß allabendlich, Ob ihm nicht einer fehle: fo ſchuͤtzte der Degen fich.

Dritted Abenteuer. Wie fie überfallen und beraubt wurden.

Das erfuhr Neiding, der Nieren Troſt,

Leber feiner Helden Tod grimmig erboft,

Die Walküren feien den Brüdern anvermäblt;

Da wurden Spereifen und Panzer in der Gluth geftählt.

Wohl hatt er auch vernommen überall im Land,

Wie gut Gefhmeide fhmiede Wielandes Hand:

Da gedacht er zu entführen ben funftreihen Schmied, Der Erz im Ofen fhmelste und dad Gold von der Schlade ſch

Bei Naht fuhren Männer und lenften den Kiel,

Sie führte Sram, der Marfhall, ſtarker Helden viel; Auch war des Königs Tochter, Bathilde, bei dem Zug Mit ihren Zungfrauen; die waren minniglich genug.

Beim Wolfsfhießen waren Wieland und fein Gemabl. Die Jungfraun erftiegen die Staffel zu dem Saal; Der edeln Königstochter war mancher Zauber fund: De ftand al ihr Gemüthe nad eines Kleinodes Fund.

a3 23 ze

in

Mit drei guten Schlößern verfperrt war die Thür; Eine Springwurzel hielt Bathild dafür,

Und wie dad dritte rührer die zauberkundge Maid, da geht fie in den Angeln und öffnet ſich flügelweit.

Da giengen zu der Halle die Jungfrauen werth.

Im Grunde war die Schmiede. Genüber dem Heerd, Aufgegogen biengen die Ringe da am Baſt, Voue ſieben hundert, edle Steine drein gefaßt.

Man zog fie von dem Bafte und ließ fie wieder dran, Up bie auf einen, ben Bathild gewann.

ur ihre Zaubergaben warb ihr der rechte fund:

ie freute da die Jungfrau des erwünfchten Kleinodes Fund!

Da ſqhlichen fie ſich heimlich wieder in ihr Belt. Tach einer Weile kehrte Wieland der Held Mir Elfenweiß der lichten müde von der agb: Sie waren fpät geritten und tief ſchon ward in der Nacht.

Was foll der Braten Kläffen, der Eule Nachtgekreiſch? Elfweiß gieng zum Heerde und briet der Bärin Fleiſch. Hoch brann überm Neifiht der bürren Köhre Kraft;

Nun apen fie und tranfen des Meths beraufchenden Saft.

Da zahlte feine Ringe der forgende Mann:

Er zählte fiebenhundert, Doc einer fehlte dran.

Er zählte fie von Neuem, nun fchien ihm voll die Zahl; Da zählt’ er zum dritten und zählte zum vierten Mal

ai 26 vo

„Doch Ddur kehrt nicht wieder, fein Auge fah ihn mehr. Darüber trauert Freia, das Herz ift ihr fo fhwer;

Die Thränen, die fie weinet, bie find gebiegned Gold: Das wird und von den Fluten ind Thal bernieder gerollt.

„Daraus hab ich gefchmiedet fo manches Kleinod,

Biel Ringe, Spangen, Becher, Gefäße goldesroth.“

Da rief in hohem Zorne Sram: „Das leugft du, Wicht, Mit folden Ammenmärchen bethörft du Helden und nicht.

„Und würd auch aus den Wellen gewaſchen all das Gold, So haben dir die Berge das Silber doch gezollt;

Woher haft dn das Eifen, das von den Schilden ſcheint? Das hat um feinen Hammer wohl Thor der Afe geweint?”

„Ih könnt euch auch beiheiden, woher das Silber fommt, Das Er; und bad Eifen; doc weils zu gar nichte frommt, Und ihr mir doch nicht glaubet, fo laß ichs lieber fein.” „Wir bringen dich zum Reden,“ fiel Sram ihm fpöttifch darei

„Du folft und felber fhmieden die Kolter, die dich zwingt, In unfres Königs Landen, Derweil, ihr Reden, bringt Den Starrhald zu den Schiffen.“ Da führten fie ihn bin, Als fhon der Morgen roͤthlich die nahen Berge befchien.

Der Weg gieng voräber an Wielandend Haus;

An der Staffel vor dem Saale, da ſah er, welchen Graus! Im rothen Blute fhwimmend fein leuchtend Gemahl

Und Wittich den Meinen in der Bruft dem tödtlihen Stahl.

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As Wieland dad gewahrte, den Augen traut’ er kaum, Er gedachte fie zu reiben, als führ er aus dem Traum: Dad wehrten ihm die Bande. Wie zornig ward der Held! Er zudte fie im Grimme: da war dad Eifen zerſchellt.

Noch fühlt’ er um die Füße die Keßel gefpannt:

Mit einem zorngen Nude, da lag auch fie im Sand.

Nun riß er aus der Scheide dem nächften Mann das Schwert Und hieb fein Haupt vom Rumpfe, wie wenn ein Blitz niederfährt.

Dem zweiten und dem dritten ſchlug er fo ſchnellen Schlag Mitten duch die Weichen, daß er in Stüden lag:

Den er erlangen mochte, ber wälste fih im Blut;

Im wuchs mit jedem Hiebe die wilde Berſerkerwuth.

Erin Athem hauchte Flammen, daß Erz und Eifen ſchmolz; Nicht Schild noch Harnifch troßte dem kühnen Schmiede ſtolz: zuſammen war gefcehweißet ber Panzer mit dem Mann

Lei dem erften Streihe, ben er von Wieland gewann.

So viele ſtreckt' er neder, ich weiß nicht ihre Zahl,

Doch mächtig hallte wieder der Bergwald und das Thal;

Die ed fahn und hörten liefen nach dem Meer:

En treiber ein wäthger Eber eine Koppel Hunde vor ſich ber.

Roh immer wuchs dem Degen ber ungefüge Zorn: Dreimal aus allen Kräften ſtieß er in-ein Horn

(Das ranbt er einem Xodten), mächtig war fein Schall: Da ftürzten feine Knechte, von den Höhen überall,

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Wohin fie fi geflüchtet, herbei in breiter Schar;

Auch feine Brüder führten viel ſtarke Männer dar

Und fchlugen auf die Feinde: die flohen nach der See.

Da sefhah am lieben Freunde viel fhönen Jungfrauen web.

Nah welhem Cigel zielte, den duͤrſtete nicht mehr.

Seiner Kunft gedachte Helferich nicht fehr:

Er ſchlug die Wunden felber, die er fonft verband;

Doch that die gröften Wunder des grimmen Wielanded Hand.

Der rafte fo und tobte, daß ihm der Sinn entwid,

Auf die Feinde klobte fein Hammer fürdterlic.

Wen er sum Amboß wählte, ber hieß des Todes Kind, Entrinnen mocht ihm Niemand, er war fo fchnell wie der Wind.

Der Marfchall in Aengſten den Weg zum Boote nahm Mit der Königstochter. Daß ihm der entlam

Und nah dem Schiff gelangte, wie Mancher des entgalt! Da riß er aus der Erde mit ftarfen Armed Gewalt

Einen mächtgen Eichbaum und ftieß ihn an die Flut;

Die Hefte brach er nieder, zwei hohle Ruder gut

Hatt er bald gezimmert und eine Stange lang.

Als er den Stamm zu böhlen die ſchnelle Waffe nun ſchwang,

Da famen feine Brüder und wunderten fi fehr, Daß er verfolgen wolle den Marfchall über Meer Allein in einem Nahen: er hörte nicht noch ſah, Den Brüdern felber draͤute Wieland der Schredliche da.

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Sie mochten nicht ertragen feines Zornblidd Macht:

Da liefen fie ihn hoͤhlen und zimmern bie zur Nacht. As die dem Werke wehrte, hinſank er und entfchlief, Bis ifn des Morgens Schimmer zu neuer Arbeit berief.

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Viertes Abenteuer. Wie Wieland zu König Neiding kam.

Das währte bis Mittag und fertig war der Kahn. Noch hatt er nicht erwogen im feines Zorned Wahn, Daß er nicht wißen möge, in welches fremde Land

Sein Feind fei heimgefahren, noch wer ihn babe gefandt.

Nun er dad bedachte, das fhuf ihm neues Leib.

In Sinnen ftand verloren der Degen lange Zeit:

Er bewegte leid die Lippen, es fehlen, ihm fei genaht Unfihtbar ein Elfe, mit dem er gehe zu Math.

Ale er aus der Verzückung wieder zu fih Fam,

Die Ruder und die Stange der ftarfe Degen nahm, Zerbrach fie auf die Knieen und warf fie in die Flut; Sp that er auh dem Steuer und der Segelftange gut.

Dann wölbt’ er eine Dede über den Nahen hin,

Daß er aufgefhloßen eine Muſchelſchale fihien.

Auch fehnitt er Luftloͤcher in dad Dach hinein,

Daß er nicht ganz entbehre der Sonne lieblihen Schein.

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Die genfterlüden waren mit Gläfern wohl verwahrt, Die lonnt er wegfchieben, wenn er auf der Kahrt Friſher Luft beburfte: wenn er fie wieder fchloß,

Sp wehrten fie der Welle, daB ihn kein Tropfen begoß.

Bo zu den Welten dünner hinauf lief der Baum,

Filter mit feinem Werkzeug, mit Hab und Gut den Raum, Und an das dire Ende bes Stammes legt’ er Flug

Des Trankes und der Speife für viele Tage genug.

Zu fih ind Mittel ftellt’ er Schimming fein treued Roſs: Dad mufte niederliegen, wenn er den Nahen ſchloß.

Den fah er jeßo fertig endlich vor fich ftehn;

Dich ch er felbft Hineinfuhr, begann er alfo zu flehn:

„Die Seeroffe reitet und fporneft zur Wuth,

Die du vertranlich gleiteft auf der geſtillten Flut,

Die mi ſchon einmal rettete, Wachilde, hör mich an: In deine Hut befehl ich mih und den ftenerlofen Kahn.

„Er weiß nicht, welhem Rande die Seereife gilt,

Auch lehrt es ihn Faln Segel, das im Winde fhwillt; Doch bift du deinem Enkel gewogen, fo befiehl

Und deine Wellen tragen ihn an das unbekannte Ziel.“

En ſprach er und entfchläpfte unter dad Dach gewandt. Das Fahrzeug lag am Meere noch ferne von dem Strand: Da bewegte fih im Stamme fo lang der Degen gut,

Bis er hinabgefhautelt allmählich glitt in die Flut.

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Die trug ihn leife fpülend aufs hohe Meer hinaus.

Der Wellenmädchen Eine verließ ihr feuchted Haus,

Saß auf ded Kahnes Dede und lodte mit Gefang

Aus blauem Grund die Niren, die ihre Schönheit bezwang.

Die glihen Menfchen oben und fchienen unten Fiſch; Sie fpielten um die Flanfen des Kahnes buhleriſch Und gaben ihm die Nichte nad ihrer Herrin Sinn: So glitt er ungefährdet im Geleit der Nire dahin.

Wohl drangen auch die Lieder zu Wieland hinab,

Der unbeweglih ruhte, als wärs in feinem Grab: Den Tönen, wie fie fhwollen, lauſcht' er ftill entzädt, Wie von dem zaubervollen Geſang zu Ddin enträdt.

Er fah die ewge Schöne Wallhallas unverhällt,

Was Stalden je gefungen,. das fand er hier erfüllt. Er faß beim Göttermahle mit felger Helden Schar,

- Ihm reicht’ aus goldner Schale Iduna den Apfel dar.

Durch fünfhundert Thore und vierzig ſah er hold Asgards Paläfte fchimmern in Silber und a Gold, Darauf in Glaford Haine fchaut’ er der Güte Bild, Den fhönften der Aſen, Gott Baldur, heiter und mild.

So in felgen Träumen fchwelgt’ er Tag und Nacht,

Bis er am dritten Morgen verwandelt auferwact.

Cr konnte nicht mehr finden ben Sporn der Racheluſt,

Um Elfweiß die lihte den wilden Schmerz in feiner Bruft.

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Hat ihm dad Wellenmädhen mit Singen das getban?

Dder der Afen Einer, die feine Augen fahn?

Er fühlt’ auch neuer Minne geheimnifsvollen Zug;

Bar dad des Ringes Wirkung, den Bathild am Finger trug?

Der Kahn war unterweilen an einen fernen Strand

Durch Nirenkraft getrieben, wo ihn ein Fifcher fand:

Der wollte Zifche fangen für feines Könige Tiſch,

Und ald er zog die Netze, da fieng er nicht einen Fiſch;

Er fing hochvermundert einen fehweren Cichenftamm,

Bir ein Kahn geftaltet, der tief im Waßer ſchwamm.

Er zog ihn an dag Ufer und fah ihn an genau,

Mit Staunen ihn erfüllte des Schiffleins Fünftliher Bau.

Das Dach war wohl gefüget und wunderbar gefehnißt:

„Run fol mich doch wundern, was in dem Dinge fißt?

Es it was drin verborgen, wie wär es fonft fo ſchwer?“ Da lief er zu dem König und bracht ihm die Wundermär:

„Ih wollte Zifche fangen, Herr, für euern Tifch,

Und als ich zog die Metze, ba fieng ich keinen Fiſch,

Ich fieng bochverwundert einen fehweren Eichenftamm, Bie ein Kahn geftaltet, der tief in den Wellen ſchwamm.

. = „Ich 308 ihn an dad Ufer und fah ihn an genau, Pit Staunen mich erfüllte des Schiffleins Wunderbau; Darauf liegt eine Dede, bie ift fo ſchoͤn gefchnigt: Nun möcht ich gerne wißen, was in dem Dinge vn figt?

Gimrod@, das Umelungeslied. L.

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„Es ift was drin verborgen: mie wär es fonft fo fhwer?

Auch forgt’ ihm wohl zu wahren, ber ihn ftieß ind Meer. Wenn ihr nun zu dem Strande mitzugehn gerubt,

Wir wollen bald erfunden, was und befherte die Flut.“

Des war ber König willig, fie giengen beide hin.

Da fanden fie die Eiche, die ein Schifflein fhien.

Den Inhalt zu erfunden bieb nad ded Herrn Gebot

Der Fiſcher auf die Flanken; davon kam Wieland in Noth.

Er rief aus Leibesträften: Halt da, haltet ein!

Ich will von innen Öffnen, von außen kanns nicht fein. As das der Schiffer hörte und wer da bei ihm ftand, Erſchrocken liefen Ale gar weit hinweg von bem-Strand.

Der Schiffer aus der Gerne rief dem König zu: „Begebt euch heim, Herr König, und laßt den Kahn in Muh! Das rath ich euch in Treuen: ein Kobold figt darin, Und kommt er ausgefahren, bes habt ihr übeln Gewinn.“ .

Da that fih auf die Dede und Wieland gieng hervor.

Da Iprad ex zu dem Könige: „Was bangt vor mir der Chor! 34 bin ein Menſch geboren, fein Kobold oder Troll;

Und wenn ih euch, Herr König, ind KRünftige dienen fol,

„So geruht ein Wort zu fprehen und gebt mir Sicherheit Des Lebens und des Guted; ic ſteh euch gern bereit.“

Da ſprach König Neiding: „Was kannſt du denn für Kunft, Damit dir zu verdienen eines großen Könige Gunſt ?“

Da verfeßte Wieland, er war gewandt und fing: „Ich babe viel erfahren und Kunft gelernt genug; Jedoch von allen Künften, die ih mir je gewann, Is die Kunft des Gehorfams, die ich am grändlichften fann.

„Befehle mie, was ihr wollet, es wird